3 bei UHLMANN
Mittwoch, 13. Mai 2026
Wie hat KI deinen Arbeitsalltag verändert?
Das haben wir unsere Gäste der aktuellen Serie „3 bei UHLMANN“ gefragt.
Bei „3 bei UHLMANN“ lassen wir drei Stimmen aus unserem Netzwerk zu Wort kommen und stellen ihnen eine konkrete Frage rund um Kommunikation – kompakt, ehrlich und praxisnah.
Geantwortet haben diesmal:
- Jan Georg Plavec, Leitender Redakteur für Datenjournalismus und Datenprojekte Stuttgarter Zeitung
- Sabine Straßburg, Partner Managerin & Key Account Managerin Mynewsdesk
- Astrid Specht, Chefredakteurin TOYS & 1st Steps
Spannende Perspektiven und ehrliche Einblicke in unterschiedliche Erfahrungen.
Jan Georg Plavec, Leitender Redakteur für Datenjournalismus und Datenprojekte Stuttgarter Zeitung:
„KI ist für mich so ein kleiner Helfer im Alltag. Ich gebe der KI manchmal meine Textentwürfe zu lesen und bitte sie, die möglichst hart zu redigieren und ganz klare Kante zu zeigen, wenn es darum geht, Kritik zu äußern und auch Verbesserungsvorschläge zu machen.
Bei uns im Datenjournalismus-Team nutzen wir KI tatsächlich, um unsere Geschichten zu bebildern. Und wir waren da sogar so motiviert, dass wir einen eigenen Workflow aufgesetzt haben. Zusammen mit unseren Mediengestaltern und mit der Software Midjourney, werden seither unsere Geschichten bebildert mit tollen, wiedererkennbaren Illustrationen, die kürzlich sogar ein European Newspaper Award bekommen haben.
KI hilft uns zunehmend, auch sehr komplexe Datenrecherchen bewerkstelligen zu können. Ganz konkret hatten wir kürzlich eine Recherche zur Mehrwertsteuer in der Gastronomie. Da haben wir hunderte Speisekarten, tausende Gerichte miteinander verglichen, und zwar die Preise vom Herbst 2025 und Frühjahr 2026. Das wäre händisch niemals möglich gewesen. Mit KI war es dann möglich.
Die große Herausforderung für uns ist, dass wir uns immer wieder daran erinnern, dass KI eben auch total falsch liegen kann und dass wir eben alles händisch letztendlich nachprüfen, was die KI uns erarbeitet und ausspuckt. Da muss man sich manchmal selber am Riemen reißen, weil das 80-20-Problem – also was auf die Schnelle rauskommt, hat schon 80 Prozent vom Endprodukt – das sehen wir natürlich auch, aber bei uns reichen eben 80 Prozent nicht, sondern wir müssen auf 100 Prozent kommen. Und das ist Tag für Tag eine Herausforderung, sich daran immer wieder zu erinnern und es dann auch zu leben.“
Sabine Straßburg, Partner Managerin & Key Account Managerin Mynewsdesk:
„Ich liebe es, mit KI zu arbeiten – und gleichzeitig misstraue ich ihr ein kleines bisschen.
In meinem Arbeitsalltag nutze ich sie vor allem für Textüberarbeitung, Recherche und Analysen. Gerade wenn es darum geht, Inhalte für unterschiedliche Zielgruppen aufzubereiten oder den richtigen Ton zu treffen, ist sie für mich extrem hilfreich.
Ein echter Game-Changer ist für mich die Möglichkeit, komplexe Inhalte auf verschiedenen Wissensstufen zusammenfassen zu lassen – also einmal für Einsteiger und einmal für Experten. Das spart Zeit und bringt schneller Klarheit. Im Team hat sich dadurch gar nicht so viel verändert – wir nutzen KI einfach häufiger. Es ist eher ein zusätzliches Tool als ein kompletter Umbruch.
Was ich merke: Ich bin effizienter geworden, aber ich habe nicht mehr Zeit. Es ist eher so, dass ich mehr schaffe – und dadurch auch mehr auf meinem Tisch landet.
Und dann ist da noch das Thema Vertrauen: KI kann sehr überzeugend falsche Dinge sagen. Das ist für mich aktuell die größte Herausforderung. Ich vergleiche das manchmal mit dem Taschenrechner: Ich kann Kopfrechnen – aber ich bin ehrlich gesagt oft zu bequem und nehme den Rechner, weil er schneller ist und vermeintlich immer stimmt. Und genau so fühlt sich die Arbeit mit KI manchmal an.
Für mich ist deshalb klar: KI ist ein starkes Tool – aber die Verantwortung bleibt bei uns. Denken, einordnen und hinterfragen dürfen wir nicht abgeben.“
Astrid Specht, Chefredakteurin TOYS & 1st Steps:
„KI hat meinen Arbeitsalltag definitiv effizienter gemacht. Ich nutze sie vor allem, um Texte zu kürzen, um mir Inhalte zusammenfassen zu lassen, um Texte abzurunden, zum Beispiel indem ich dann nochmal einen Grammatik- oder einen Rechtschreibcheck durchführe. Und ich nutze KI für die eine oder andere Recherche. Bei den Texten ist mir aber wichtig, diese am Schluss nochmal selber durchzugehen, weil ich will, dass die Texte nach mir klingen. Und ich finde, dass KI-generierte Texte oft sehr einheitlich klingen. Dieser Einheitsbrei stört mich sehr.
Bei der Recherche ist es so, dass ich KI nutze, ja, und je nach Tool kommen da auch echt gute Ergebnisse raus, aber ich verlasse mich nicht blind auf diese Ergebnisse. Also zum einen ist mir wichtig, dass ich da nochmal tiefer eintauche, denn ich finde, dass viele KI-Ergebnislisten bei einer Recherche oberflächlich sind und das Thema gar nicht so in der Tiefe erfassen. Und ich muss natürlich verifizieren, dass die Ergebnisse, die dabei rauskommen, dass die auch stimmen.
Bedenken habe ich bei der Nutzung von KI, ja. Zum einen, weil ich mir natürlich Gedanken mache. Wird KI irgendwann so gut, dass ich als Redakteurin und Journalistin ersetzbar bin? Dann, wie gesagt, habe ich Bedenken, was die Qualität der Ergebnisse oder auch die Tonalität von Texten betrifft. Ich mache mir auch Gedanken über den Impact auf die Umwelt und das Klima.
Aber letzten Endes ist KI schon ein sehr nützliches Tool in meiner Arbeit. Ich tue aber alles dafür, dass ich diejenige bin, die weiterhin steuert und entscheidet und die KI einfach nur das Werkzeug bleibt, das ich nutze, um meine Arbeit gut machen zu können.“