KI als Lernbegleitung: Wer gibt Jugendlichen Orientierung?
Ergebnisse der Studienkreis-Studie zur Verwendung von KI für schulische Aufgaben
Dienstag, 25. August 2026
Hausaufgaben mit ChatGPT lösen, sich komplizierte Matheaufgaben erklären lassen oder Texte mit KI verbessern: Künstliche Intelligenz ist längst im Lernalltag von Kindern und Jugendlichen angekommen. Doch wie gehen Familien damit um? Wer vermittelt Kindern den richtigen Umgang mit KI und welche Rolle spielen die Schulen dabei? Das möchten wir im Sommer 2026 für unseren Kunden Studienkreis genauer wissen.
Dafür beauftragen wir YouGov mit einer repräsentativen, bundesweiten Umfrage. Im Juni 2026 werden 1.004 Eltern von 10- bis 17-jährigen Schüler:innen zur Nutzung von KI für schulische Aufgaben, zu bestehenden Regeln und zu ihren Erwartungen an Schulen befragt. Nicht verwunderlich: KI wird von Kindern und Jugendlichen bereits intensiv genutzt. Gleichzeitig fehlt es von seitens der Schulen noch an klaren Regeln und Eltern sehen sich aktuell als wichtigste Orientierung für ihre Kinder.
Eltern sehen sich als wichtigste KI-Ratgeber ihrer Kinder
Die Studie zeigt deutlich: Eltern übernehmen beim Thema KI im Schulkontext eine zentrale Rolle. 54 % der Befragten sehen sich selbst als wichtigste Orientierung für ihre Kinder beim Einsatz von KI für schulische Aufgaben. 41 % meinen, dass sich Kinder die nötigen Kompetenzen vor allem selbst aneignen. Nur 35 % sehen Schule und Lehrkräfte in dieser Rolle.
Gleichzeitig sind sich Eltern unsicher. Zwar geben 54 % an, dass es an der Schule ihres Kindes Regeln zur KI-Nutzung gibt – doch nur 33 % kennen diese auch genau. Zwei Drittel der Eltern wissen somit nicht sicher, was konkret erlaubt ist oder ob es überhaupt verbindliche Vorgaben gibt.
Entsprechend fordern 57 % der Eltern eindeutige Regeln für den Umgang mit KI für die Schulen, knapp die Hälfte (49 %) gezielten Unterricht zum kompetenten Umgang mit KI und 39 % Fortbildungen für Lehrkräfte.
Wunsch nach klaren Regeln und besserem Austausch zwischen Eltern und Schule
Neben fehlenden Regeln zeigt sich vor allem eine mangelnde Kommunikation zwischen Schulen und Elternhäusern. Die Hälfte der Eltern fühlt sich von der Schule weniger gut oder gar nicht gut über den Umgang mit KI informiert. Nur 14 % geben an, sehr gut informiert zu sein.
Diese Lücke wirkt sich direkt auf den Alltag aus: Wenn Regeln nicht bekannt sind oder unklar kommuniziert werden, entsteht Unsicherheit darüber, wie KI im Lernprozess eingesetzt werden darf. Schule bleibt als zentrale Instanz für Orientierung hinter den Erwartungen vieler Eltern zurück.
Im Zuge der Studie haben wir einen Experten eingebunden und den Lehrer, Schulentwicklungsmoderator und Autor Joscha Falck zu seiner Einschätzung befragt.
„Damit Kinder KI kompetent statt unbegleitet nutzen können, braucht es klare, kommunizierte Regeln aus der Schule und einen intensiveren Austausch mit den Familien.“
Joscha Falck
KI sorgt überraschend selten für Streit
Auch wenn Kinder und Jugendliche KI intensiv nutzen, bleibt das Thema in vielen Familien erstaunlich konfliktarm. 77 % der Eltern geben an, dass sie nie oder nur selten mit ihren Kindern über ihre KI-Nutzung streiten. Wenn es doch zu Diskussionen kommt, geht es dabei weniger um das Vertrauen in die Kinder, sondern vielmehr um die Verlässlichkeit der KI-Ergebnisse oder mögliche negative Auswirkungen auf das Lernen. Diese Sorgen teilen laut Schulbarometer des Robert Bosch Instituts auch die Lehrkräfte. „Daher ist es wichtig, KI nicht als Konfliktthema, sondern als gemeinsame Gestaltungsaufgabe von Schule und Familien anzugehen“, so Falck.
KI-Kompetenz entsteht oft außerhalb der Schule
Ergänzend zur Elternbefragung hat der Studienkreis 30 Schüler und Schülerinnen befragt. Demnach eignen sich viele Jugendliche den Umgang mit KI eigenständig an – häufig über Social Media, Online-Tutorials oder durch Ausprobieren.
Eltern und Lehrkräfte spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle als Wissensquelle. Gleichzeitig nehmen viele Schüler:innen keine klaren Regeln an ihren Schulen wahr oder sind sich unsicher, ob es überhaupt verbindliche Vorgaben gibt.
Die spannenden Ergebnisse zeigen: KI ist längst im Schulalltag angekommen – jetzt sind Schulen und Bildungspolitik gefragt, klare Rahmenbedingungen zu schaffen und Kinder, Eltern und Lehrkräfte beim kompetenten Umgang mit der Technologie zu unterstützen.